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Habeşistan'a İlk Hicret: Sürgündeki Müslümanlar

Mustafa Erdoğan – Autor bei NamazWorldyazan Mustafa Erdoğan·5 Temmuz 2026·4 dk. okuma suresi

615 nach christlicher Zeitrechnung, Jahr fünf nach Beginn der Prophetenschaft. Die Verfolgung in Mekka eskaliert. Uthman ibn Affan wird auf der Straße verprügelt. Bilal ibn Rabah liegt in der Mittagssonne mit einem schweren Felsblock auf der Brust. Ammar ibn Yasir sieht, wie seine Mutter Sumayyah von Abu Jahl erschlagen wird. Der Prophet (Friede sei auf ihm) kann seine Gefährten nicht schützen, nicht mit Gewalt. Er sucht einen anderen Weg.

"Geht nach Abessinien", sagt er zu den ersten Muslimen. "Dort regiert ein König, bei dem niemand Unrecht leidet. Es ist ein Land der Wahrheit. Bleibt dort, bis Allah euch einen Ausweg gibt."

Wer die erste Auswanderung unternahm

Zwölf Männer und vier Frauen verließen Mekka heimlich in der Nacht. Nicht durch den Hauptausgang der Stadt, sondern auf Umwegen. Sie erreichten den kleinen Küstenhafen von Schuayba und sicherten sich Plätze auf Handelsschiffen nach Abessinien. Unter ihnen: Uthman ibn Affan mit seiner Frau Ruqayyah, Abdurrahman ibn Awf, Zubayr ibn al-Awwam. Die erste muslimische Auswanderung in der Geschichte war eine Flucht mit knappem Gepäck.

Wenig später folgte eine zweite, viel größere Gruppe. Etwa 83 Männer, dazu Frauen und Kinder. Ibn Hisham (gest. ca. 833) listet die meisten namentlich auf in seiner Sira an-Nabawiyya. Darunter befand sich Ja'far ibn Abi Talib, ein Cousin des Propheten, der die entscheidende Rolle am äthiopischen Hof spielen sollte.

Das Verhör vor dem Najashi

Quraysch schickte zwei erfahrene Diplomaten nach Abessinien: Amr ibn al-As und Abdullah ibn Abi Rabia. Im Gepäck Geschenke für den König und seine Bischöfe. Ihr Auftrag: die Muslime als Unruhestifter darstellen und ihre Auslieferung erwirken.

Der Najashi, mit vollem Namen Ashamah ibn Abjar, regierte das christliche Kaiserreich Abessinien. Er war für seinen gerechten Umgang auch mit Fremden bekannt. Er ließ die Muslime vorführen und fragte: Was lehrt euer Prophet über Jesus und Maria?

Ja'far ibn Abi Talib antwortete ruhig. Er rezitierte aus Sure Maryam (19. Sure): die Geschichte der jungfräulichen Geburt, des redenden Säuglings Jesus in der Wiege, der reinen Prophetin. Der Najashi weinte. Seine Bischöfe weinten. Er hob einen Stab vom Boden auf und sagte auf Ge'ez sinngemäß: Der Unterschied zwischen dem, was ihr über Jesus sagt, und unserem Glauben ist nicht größer als dieser Stab.

Die Mission von Amr ibn al-As scheiterte vollständig. Die Muslime durften bleiben.

Was diese Episode für den frühen Islam bedeutet

Die Abessinien-Hidschra gehört zu den unterschätztesten Momenten der Prophetenbiografie. Sie zeigt, dass der Islam von Beginn an keine rein arabische Angelegenheit war. Die erste Schutzgemeinschaft der Muslime entstand nicht in Medina, sondern an einem christlichen Königshof in Afrika.

Der Najashi soll später den Islam angenommen haben, ohne es öffentlich zu erklären, weil er fürchtete, sein Volk zu verlieren. Als er starb, verrichtete der Prophet in Medina das Abwesenheitsgebet für ihn, obwohl Tausende Kilometer sie trennten. Überliefert bei Sahih Bukhari und Muslim (Bukhari, Nr. 1327).

Für die Sahaba als Gemeinschaft war Abessinien die erste kollektive Bewährungsprobe außerhalb Arabiens. Diese Episode erklärt, warum der Prophet seinen Gefährten zutraute, allein mit einem Quran-Vers in der Hand vor einem fremden König zu bestehen.

Ja'far und das Ende einer langen Reise

Ja'far ibn Abi Talib kehrte erst 629 n. Chr. nach Arabien zurück, nach fast 14 Jahren. Der Prophet empfing ihn in Khaybar mit einer langen Umarmung: "Ich weiß nicht, worüber ich mehr froh bin: über die Öffnung Khaybars oder über die Ankunft Ja'fars."

Zwei Jahre später starb Ja'far in der Schlacht von Mu'ta. Er kämpfte, bis er beide Hände verlor, und hielt die Fahne mit den Armen. Der Prophet nannte ihn "Dhu al-Janahayn", den Mann mit den zwei Flügeln, weil er im Jenseits Flügel erhalten habe (Tirmidhi, Nr. 3763, hasan).

Wer die Geschichte der Frühzeit des Islam verstehen will, sei es durch die Bedeutung der Kaaba oder durch das Leben der ersten Muslime, kommt an der Abessinien-Hidschra nicht vorbei. Sie zeigt, wie eine verfolgte Gemeinschaft überlebt: nicht durch Gegenwalt, sondern durch Wahrheit, Geduld und das Suchen von Schutz dort, wo Gerechtigkeit herrscht.

Für Gebetszeiten in Äthiopien, dem Nachfolgestaat jenes historischen Königreichs, stehen alle Informationen auf NamazWorld bereit.

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