Tashahhud in Prayer: Meaning and Pronunciation
Wer fuenfmal taeglich betet, sitzt im Tashahhud im Jahr ueber zweitausend Mal. Und die meisten sprechen die Worte, ohne zu wissen, was sie bedeuten. Das ist kein Vorwurf, Arabisch ist fuer die meisten von uns eine Fremdsprache. Wer aber einmal versteht, was er da sagt, betet danach anders.
Was At-Tahiyyat wirklich bedeutet
Tashahhud kommt vom arabischen Begriff fuer Zeugnisablegen. Es ist der Satz, den wir im Gebet im Sitzen sprechen: das Bekenntnis zu Allah und zum Propheten Muhammad sallallahu alayhi wa sallam. Gesprochen wird er im zweiten Rak'a, und in Gebeten mit drei oder vier Rak'at auch im letzten Sitzen vor dem Taslim.
Die bekannteste Fassung ist nach Ibn Mas'ud ueberliefert (Sahih Bukhari, Nr. 835):
At-tahiyyatu lillahi was-salawatu wat-tayyibat. As-salamu 'alaika ayyuhan-Nabiyyu wa rahmatu Allahi wa barakatuh. As-salamu 'alaina wa 'ala 'ibadillahis-salihin. Ash-hadu an la ilaha illallah wa ash-hadu anna Muhammadan 'abduhu wa rasuluh.
Siebenundvierzig arabische Woerter. Kein einziges davon ist Fuellwerk.
Vers fuer Vers: was dahinter steckt
„At-tahiyyatu lillahi", alle Ehrungen gehoeren Allah. Nicht dem Arbeitgeber, nicht dem Ansehen in der Gemeinde, nicht der eigenen Leistung. Nur Allah.
„Was-salawatu wat-tayyibat", alle Gebete und alle guten Handlungen gehoeren Ihm. Das ist kein Hoeflichkeitssatz, sondern ein ehrliches Eingestaendnis: Ich besitze nichts, das nicht von Dir kaeme. Wer das wirklich meint, betritt das Sitzen anders.
„As-salamu 'alaika ayyuhan-Nabiyyu", der Friedensgruss an den Propheten sallallahu alayhi wa sallam, direkt, in der zweiten Person. Als waere er anwesend. Das ist kein literarischer Kunstgriff: Der Prophet lehrte, dass Allah seinen Geist im Gebet bei den Betenden haelt (Sahih Muslim, Nr. 912). Kein Gruss geht in dieser Zeile ins Leere.
„As-salamu 'alaina wa 'ala 'ibadillahis-salihin", Frieden ueber uns und alle rechtschaffenen Diener Allahs. Wer das spricht, betet in diesem Moment fuer jeden Muslim, der irgendwo auf der Welt im Gebet sitzt. Duesseldorf, Kairo, Karachi. Eine stille Gemeinschaft, ohne Verabredung.
„Ash-hadu an la ilaha illallah wa ash-hadu anna Muhammadan 'abduhu wa rasuluh", das Doppelzeugnis. Jedes Gebet endet in dem, womit der Islam begann.
Die Salawat: in seinen eigenen Worten
Im letzten Sitzen folgt nach dem Tashahhud die Salawat auf den Propheten und seine Familie. Die Ibrahimiyya ist die haeufigste Form:
Allahumma salli 'ala Muhammadin wa 'ala ali Muhammad, kama sallayta 'ala Ibrahima wa 'ala ali Ibrahim. Innaka hamidun majid.
Die Sahaba fragten den Propheten sallallahu alayhi wa sallam selbst, wie man Salawat sprechen solle, er lehrte ihnen genau diese Form (Sahih Bukhari, Nr. 3370). Was das bedeutet: Wir beten in seinen eigenen Worten fuer ihn. Das hat eine andere Qualitaet als eine Formel, die man irgendwo aufgeschnappt hat.
Wer regelmaessig Dhikr nach dem Gebet praktiziert, stellt fest: Die Salawat traegt sich dort nahtlos fort. Beide gehoeren zusammen, der Abschluss im Gebet und der Beginn des Dhikr danach.
Unterschiede zwischen den Madhhabs
Hanafi- und Shafi'i-Gelehrte verwenden unterschiedliche Fassungen des Tashahhud: Die Hanafis folgen Ibn Mas'ud (Sahih Bukhari, Nr. 835), die Shafi'is bevorzugen die Ueberlieferung von Ibn 'Abbas. Keiner macht dabei einen Fehler, beide Versionen sind authentisch ueberliefert.
Ob man beim Shahada den Zeigefinger hebt, ist ebenfalls in beiden Positionen klassisch begruendet. Wer das in der eigenen Moschee anders sieht als gewohnt, muss sich keine Gedanken machen. Das Gebet ist gueltig. Wirklich.
Was sich aendert, wenn man versteht
Seit acht Jahren leite ich das Gebet in einer kleinen Moschee in Neukoelln. Ich habe gesehen, was passiert, wenn Gemeindemitglieder anfangen, den Tashahhud zu verstehen. Das Tempo wird ein bisschen langsamer. Der Taslim kommt nicht mehr als Befreiungsschlag, er kommt als Abschluss von etwas Echtem.
Hand aufs Herz: Wie oft wartet man beim Tashahhud eigentlich nur auf das Ende? Das passiert. Aber dieser Text bietet mehr als einen Abschluss.
Der Tashahhud ist nicht der Schluss des Gebets. Er ist der Kern. Der Moment, in dem wir stillsitzen, alles andere loslassen und bezeugen: kein Gott ausser Allah, Muhammad ist Sein Gesandter. Jedes einzelne Mal.
Wer die fuenf Pflichtgebete insgesamt vertiefen moechte, beginnt gut dort. Der Tashahhud ist vielleicht der dichteste Satz im ganzen Gebet, klein in den Worten, gross in dem, was er enthaelt.