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Sure Al-Hajj: Was der Quran über den Hajj lehrt

Aisha Karim – Autorin bei NamazWorldvon Aisha Karim·16. Juni 2026·4 Min. Lesezeit

Die 22. Sure des Qurans ist die einzige, die nach einem der fünf Säulen des Islam benannt ist. Al-Hajj. Das ist kein Zufall. Sie wurde sowohl in Mekka als auch in Medina offenbart, was sie zu einer der wenigen Suren mit diesem gemischten Charakter macht.

Ibrahim und der Ruf zur Pilgerfahrt (Sure 22:27)

Wer den Ursprung des Hajj verstehen will, findet ihn in Vers 27: "Und ruf unter den Menschen zur Pilgerfahrt auf. Sie werden zu dir kommen zu Fuß und auf jedem mageren Kamel, kommend aus jeder tiefen Schlucht." (Sure 22:27)

Allah spricht hier Ibrahim (Friede sei mit ihm) an. Nicht den Propheten Muhammad. Das ist der entscheidende Punkt. Dieser Ruf ist Jahrtausende alt. Jeder Muslim, der heute Talbiyah spricht, antwortet auf einen Ruf, der lange vor ihm kam. Nicht aus Tradition, sondern aus einer Pflicht, die Allah selbst verankert hat.

Für das Tajweed: Das arabische Verb "wa adhdzin" in diesem Vers enthält eine Verdoppelung (Tashdid) des Dzal, die textlich die Intensität des Befehls betont. Wer die Sure rezitiert, spürt die Schärfe dieses Moments.

Der Kern des Opfers (Sure 22:37)

Vers 37 wird bei der Qurbani oft zitiert, aber selten vollständig gelesen: "Weder ihr Fleisch noch ihr Blut wird Allah erreichen, sondern eure Gottesfurcht wird Ihn erreichen." (Sure 22:37)

Das ist kein frommer Spruch. Es ist eine juristische Klarstellung mitten in der Offenbarung. Das Opfertier zählt nicht in Kilo. Es zählt in Niyyah. Wer Eid al-Adha gerade hinter sich hat, sollte diesen Vers ehrlich für sich lesen. Nicht ob man ein Tier besorgt hat, sondern mit welchem Herzen.

Die Fiqh-Regeln zur Qurbani hat Bilal Toprak bereits ausführlich behandelt. Wer die rechtlichen Grundlagen nachlesen möchte, findet sie im Artikel Qurbani online beauftragen.

Erlaubnis zur Selbstverteidigung (Verse 39 bis 41)

Sure 22 enthält auch die ersten Verse, die den Muslimen erlaubt haben, sich zu verteidigen: "Denjenigen, gegen die gekämpft wird, ist die Erlaubnis erteilt, zu kämpfen, weil ihnen Unrecht getan worden ist." (Sure 22:39)

Vers 40 führt weiter aus, was auf dem Spiel steht: Kirchen, Synagogen, Moscheen. Orte der Gottesverehrung, die geschützt werden sollen. Al-Hajj ist nicht nur eine Pilger-Sure. Sie verbindet Liturgie, Opfer und politische Wirklichkeit in einem Text. Das ist selten in dieser Dichte.

Zwei Sajda-Stellen im Fiqh

Wer Sure Al-Hajj rezitiert, muss eine Besonderheit kennen: Sie enthält zwei potenzielle Sajda-al-Tilawa-Stellen. Vers 18 ist nahezu unumstritten. Vers 77 gilt nach hanafitischer Rechtsschule ebenfalls als verpflichtend: "O ihr, die ihr glaubt, verneigt euch und werft euch nieder und verehrt euren Herrn und tut Gutes, auf dass ihr Erfolg haben mögt." (Sure 22:77)

Nach schafiitischer Auffassung ist Vers 77 hingegen keine Pflicht-Sajda. Das ist kein Quran-Unterschied, sondern klassische Madhhab-Differenz. Wer in einer hanafitischen Gemeinde gelernt hat, führt bei Vers 77 die Niederwerfung durch. Wer nach Shafii unterrichtet wurde, nicht.

Die vollständige Liste aller 14 Sajda-Verse und die genaue Ausführung erklärt der Artikel Sajda al-Tilawa erklärt Schritt für Schritt.

Drei Verse zum Auswendiglernen

Al-Hajj hat 78 Verse. Für die tägliche Praxis reicht der Fokus auf drei: Vers 27 (Ibrahims Ruf), Vers 37 (Wahrheit des Opfers), Vers 77 (Gebot der Niederwerfung). Drei Verse, drei verschiedene Dimensionen dieser Sure.

Wer nach Eid al-Adha eine Rezitation sucht, die zu dieser Zeit passt, findet sie hier. Die Gebetszeiten für die eigene Stadt, in denen man rezitieren möchte, zeigt NamazWorld für jede Stadt weltweit.

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