Wann beginnt Dhul-Hijjah? So wird das Datum berechnet
Dhul-Hijjah ist der zwoelfte Monat des islamischen Mondkalenders und einer der vier heiligen Monate, die Allah im Quran erwaehnt (Sure 9:36). Er beginnt mit dem Hilal, dem neuen Halbmond nach dem Ende von Dhul-Qada. In der Praxis loest dieses eine astronomische Ereignis jedes Jahr Diskussionen aus. Nicht alle Gemeinschaften sehen den Mond gleichzeitig, und nicht alle nutzen dieselbe Methode.
Hilal-Sichtung oder astronomische Berechnung
Zwei Positionen stehen sich seit Jahrhunderten gegenueber.
Die klassische Schule, vertreten von Gelehrten wie Ibn Baz und dem OIC-Fiqh-Rat, verlangt die physische Sichtung des Hilal mit blossem Auge. Grundlage ist der Hadith, den Abu Hurairah ueberliefert: "Beginnt zu fasten, wenn ihr ihn seht, und brecht das Fasten, wenn ihr ihn seht." (Sahih Bukhari, Nr. 1909). Wer den Mond nicht sieht, schliesst den Monat auf 30 Tage auf.
Die zweite Schule, von der ISNA in Nordamerika und vielen europaeischen Islamverbaenden unterstuetzt, nutzt astronomische Vorausberechnungen. Der Neumond laesst sich auf die Sekunde genau berechnen. Der Monat beginnt dann nach der Konjunktion, also wenn Erde, Mond und Sonne auf einer Linie stehen. Keine Wolken, kein schlechtes Wetter, keine geografischen Unterschiede.
Als Physiker sage ich: Beide Methoden sind ehrlich. Die klassische haelt sich naeher am Wortlaut der Ueberlieferung. Die Berechnungsmethode nutzt dieselben astronomischen Gesetze, die Allah in die Schoepfung gelegt hat. Al-Biruni hat das im 11. Jahrhundert genauso formuliert, und er ist nicht als Ketzer gestorben.
Warum das Datum von Land zu Land abweicht
Ein konkretes Beispiel aus diesem Jahr: Der astronomische Neumond fiel auf den 27. Mai 2026 gegen 06:00 UTC. Saudi-Arabien hatte zu diesem Zeitpunkt Nacht. Die Sichtbarkeit des Hilal am Abend des 27. Mai war theoretisch moeglich, aber die Bedingungen waren eng. Tatsaechlich wurde der 1. Dhul-Hijjah 1447 nach saudischer Sichtung auf den 29. Mai gelegt.
In Deutschland konnten manche Gemeinschaften den Hilal am 28. Mai abends klar erkennen und setzten den Monatsbeginn einen Tag frueher. Wieder andere warteten auf die offizielle Bestaetigung aus Mekka. Aus dieser Differenz von einem Tag folgen direkte Konsequenzen fuer Arafat-Tag und Eid al-Adha.
Die astronomischen Grundlagen der Mondsichtung, von der Elongation bis zur Helligkeitsschwelle, erklaert der Artikel Hilal sehen: Wann und wie der Neumond sichtbar wird im Detail.
Der Arafat-Tag: Wann fasten?
Der 9. Dhul-Hijjah ist der Arafat-Tag, einer der groessten Tage des Jahres. Der Prophet (Friede sei auf ihm) sagte: "Das Fasten am Arafat-Tag suehnt das vergangene und das kommende Jahr." (Sahih Muslim, Nr. 1162). Welchen Tag man fastet, haengt direkt vom gewahlten Monatsbeginn ab.
Sheikh Ibn Uthaymin hat dazu klargestellt: Wer nicht auf Hajj ist, soll dem lokalen Monatsbeginn folgen, nicht automatisch dem saudischen Datum. Konkret bedeutet das: Bei lokalem Monatsanfang am 28. Mai liegt der Arafat-Tag auf dem 5. Juni, bei saudischem Datum auf dem 6. Juni. Das ist kein Detail, das man ignorieren kann.
Wie die verschiedenen Methoden die Gebetszeiten insgesamt beeinflussen, erklaert Berechnungsmethoden fuer Gebetszeiten im Vergleich.
Was das fuer Qurbani bedeutet
Das Opferfest, Eid al-Adha, faellt auf den 10. Dhul-Hijjah. Wer ein Tier schlachtet oder eine Qurbani-Organisation beauftragt, muss das Datum kennen. Viele europaeische Muslime zahlen vorab und geben ein Datum an. Wer in Deutschland lebt und dem saudischen Datum folgt, beauftragt die Schlachtung auf den 7. Juni 2026. Wer dem lokalen Datum folgt, auf den 6. Juni.
Fuer 2026 ergibt sich: Eid al-Adha faellt auf den 6. oder 7. Juni, je nach angewendetem Datum. Die Vorabinformation der eigenen Moschee ist dabei die verlasslichste Quelle. NamazWorld zeigt die genauen Gebetszeiten fuer das Eid-Gebet auf der Stadtseite deines Wohnorts.
Die unterschiedlichen Methoden sind keine Zerrissenheit. Sie sind Ausdruck der Vielfalt, mit der Muslime seit Jahrhunderten dieselbe astronomische Realitaet ernst nehmen. Beide Wege respektieren die Schoepfungsordnung und die Ueberlieferung des Propheten.