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رؤية الهلال: متى وكيف يظهر القمر الجديد في السماء

Omar Hassan – Autor bei NamazWorldبقلم Omar Hassan·٨ مايو ٢٠٢٦·4 دقائق قراءة

Der Tag der Konjunktion und der Tag des Hilal sind nicht dasselbe. Das klingt wie eine Kleinigkeit. Ist es keine.

Der astronomische Neumond ist der Moment, in dem Mond, Erde und Sonne exakt auf einer Linie stehen und der Mond von der Nachtseite aus vollstaendig unsichtbar ist. Der Hilal ist die erste schmale Mondsichel, die nach dieser Konjunktion am westlichen Horizont erscheint, kurz nach Sonnenuntergang. Zwischen diesen beiden Ereignissen liegen mindestens 12 Stunden, oft 24 bis 48 Stunden, manchmal laenger. Wer das nicht unterscheidet, verwirrt sich beim Lesen jeder Diskussion ueber Ramadan-Anfang und Dhul-Hijjah.

Wann wird der Hilal sichtbar? Die Physik dahinter

Damit der Mond am Abend nach der Konjunktion sichtbar wird, muessen drei Bedingungen gleichzeitig erfuellt sein.

Erstens: Die Elongation, also der Winkelabstand zwischen Mond und Sonne am Himmel, muss bei Sonnenuntergang mindestens 8 Grad betragen. Zweitens: Der Mond muss beim Untergang der Sonne mindestens 4,5 Grad ueber dem Horizont stehen. Drittens: Der Lagtime, die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Monduntergang, sollte mindestens 30 Minuten betragen.

Das sind die Odeh-Kriterien, benannt nach dem jordanischen Astronomen Mohammad Odeh und vom International Astronomical Centre (IAC) anerkannt. Unter diesen Werten ist eine Sichtung mit blossem Auge praktisch ausgeschlossen.

In Mitteleuropa kommt die Ekliptik hinzu. Im Fruehling steht sie steil, im Sommer flach. Das bedeutet: Ein Hilal im April oder Mai taucht deutlich schneller ueber den Horizont als einer im Juli oder August. Ein Mond, der in Mekka klar sichtbar ist, kann in Hamburg im Hochsommer noch knapp unter der Sichtbarkeitsgrenze liegen. Diese regionale Abhaengigkeit erklaert, warum internationale Sichtungsmeldungen nicht einfach auf Norddeutschland uebertragbar sind. Mehr zu den Grundlagen dieser Berechnungen steht im Artikel zur Gebetszeiten-Berechnung erklaert.

Wie man in Deutschland den Hilal sucht

Drei Dinge braucht man.

Einen freien Westhorizont. In einer Grossstadt bedeutet das: eine Anhoehe, ein Hochhausdach, ein Parkdeck mit Westblick. Felder und Kuesten sind ideal. Wichtig ist, dass die Sonne vollstaendig untergeht, ohne dass Gebaeude oder Baumreihen den Blick auf die letzten Grad blockieren.

Ein Fernglas. 7x50 ist der Klassiker fuer Mondbeobachtung. Das blosse Auge genuegt bei einem zweitaegigen Hilal unter sehr guenstigen Bedingungen. Bei einem eintaegigen Mond unter 24 Stunden ist ein Fernglas fast zwingend.

Den genauen Zeitpunkt. Der Mond steht nach Sonnenuntergang nur fuer ein enges Fenster hoch genug, um sichtbar zu sein. Wer erst 20 Minuten nach Maghrib anfaengt zu suchen, hat das optimale Lichtfenster moeglicherweise schon verpasst. Die genaue Maghrib-Zeit laesst sich ueber NamazWorld fuer jeden Ort ermitteln. Dazu den Azimut des Mondes aus einer Astronomie-App (Stellarium ist kostenlos) vorab notieren, sonst sucht man an der falschen Stelle.

Ru'ya und Hisab: Zwei Positionen, ein legitimer Unterschied

Die theologisch wichtigere Frage beim Hilal ist nicht, ob man ihn sehen kann, sondern ob man ihn sehen muss.

Die klassische Position stuetzt sich auf Hadithe wie "Fastet, wenn ihr ihn seht, und brecht das Fasten, wenn ihr ihn seht" (Sahih Bukhari, Nr. 1909). Zwei glaubwuerdige Zeugen, die den Hilal gesehen haben, genuegen, um den Monatsanfang auszurufen. Ru'yat al-hilal bil-basar heisst diese Position, und sie wird von der Mehrheit der klassischen Rechtsschulen vertreten.

Hisab, die astronomische Berechnung, hat vor allem im 20. Jahrhundert Vertreter gefunden. Das Argument: Wenn die Astronomie mit hoher Praezision voraussagen kann, wann und wo der Mond sichtbar sein wird, ist es kein Bruch mit der Sunnah, diese Berechnung als Grundlage zu nehmen. Sheikh Mustafa al-Zarqa sah Hisab als Korrektiv, nicht als Ersatz. Das marokkanische Ministerium fuer islamische Angelegenheiten akzeptiert seit 2018 kombinierte Ansaetze offiziell.

Fuer Muslime in Deutschland bedeutet das: Ob der Ramadan-Anfang oder der Arafat-Tag auf einen bestimmten Wochentag faellt, haengt davon ab, welcher Institution die eigene Moschee folgt. Das ist keine Fehlfunktion des Systems. Das ist legitime Madhhab-Differenz.

Dhul-Hijjah: Warum der naechste Hilal zaehlt

Gerade jetzt, in Shawwal, lohnt sich der Blick nach vorne. Der Hilal des Dhul-Hijjah 1447 bestimmt, wann der Tag von Arafat faellt: der 9. Dhul-Hijjah. Ausserhalb des Hajj ist er der bedeutendste Fastentag des islamischen Jahres. Der Prophet sagte: "Das Fasten am Tag von Arafat tilgt die Suenden des vergangenen und des kommenden Jahres." (Sahih Muslim, Nr. 1162)

Eine Abweichung von einem Tag bei der Hilal-Sichtung bedeutet einen anderen Wochentag fuer dieses Fasten. Wer sich mit den Grundlagen des islamischen Kalenders insgesamt beschaeftigen moechte, findet einen soliden Einstieg im Artikel ueber den Islamischen Kalender (Hijri).

Der Hilal ist wenige Bogensekunden schmal, kaum erkennbar am Daemmerhimmel. Und er bewegt ganze Monatsanfaenge.

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